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Landesverband

Editorial, Guy Greivelding: Ausbau statt Abbau der Eisenbahn

Guy GreiveldingAm 8. Juni waren es 30 Jahre her, dass in Ulflingen die große Manifestation für den Erhalt, die Modernisierung und die Elektrifizierung der Nordstrecke stattfand. Tausende Menschen aus allen Teilen des Landes waren dem Aufruf des Landesverbandes gefolgt. Diese Manifestation war notwendig geworden, um Druck auf die damals politisch Verantwortlichen zu machen, der Eisenbahnlinie ins Ösling die nationale und internationale Zukunft zu erhalten. 

Die Aktion brachte den gewünschten Erfolg. Hätte der Landesverband, unterstützt  von Lokalpolitikern und der Bevölkerung, diesen Kraftakt nicht gewagt, wäre  der Norden des Landes von der Eisenbahnkarte wegradiert und auch die Verbindung nach Belgien würde es nicht mehr geben. Auch würde sicherlich die gesamte Eisenbahnlandschaft in Luxemburg heute anders aussehen. Die der Eisenbahn und den Eisenbahnern nicht wohl gesinnten Politiker hätten sicher versucht Profit aus einem „Echec“ zu schlagen, um das luxemburgische Eisenbahnnetz weiter zu dezimieren.

Die Aktion Nordstrecke war zudem Auslöser für den Landesverband, sich  noch intensiver als vorher mit der Zukunft der Eisenbahn zu beschäftigen. Unsere Aktionen für die Revitalisierung des Verkehrs auf der Schiene multiplizierten sich. Wir gründeten die „Aktioun Öffentlechen Transport“ mit dem Ziel eine breite Plattform für die Verteidigung des öffentlichen Transports zu schaffen. Diese  Vereinigung leistet heute immer noch  wertvolle Arbeit.

Vielleicht weniger spektakulär, doch äußerst intensiv wehrten wir uns Ende der 70er Jahre gegen die Verlegung der Südstrecke von Esch-Alzette nach Petingen verbunden mit der Einstellung des Personenverkehrs. Dies auch mit Erfolg. Heute können wir behaupten, dass wenn das uns nicht gelungen wäre, es keinen Bahnhof Belval-Université gäbe.

Anfang der 80er Jahre mussten wir uns erneut gegen die Politik der Ausdünnung der CFL-Fahrpläne wehren. Wir militierten für die Schaffung  von  neuen Haltestellen. Wir promovierten mit Erfolg die Idee Audun-le-Tiche für den Personenverkehr an das luxemburgische Netz anzuschließen. Einige Jahre später wurde auch Volmerange-les-Mines  angebunden.

Auch die Aktion „Clausener Halt“ ist als eine wichtige Etappe in unseren Bemühungen für ein zusammenhängendes Konzept im öffentlichen Transport zu sehen. Es war eine erste Initiative, die Oberstadt an das Schienennetz angebunden. Wir ließen nicht locker und forderten,  dass die Zugbenutzer ohne Umsteigen bis in den Stadtkern fahren könnten. Zwanzig Jahre sind vergangen. Von den vielen Ideen, die auf dem Tisch lagen,  wurde die einer innerstädtischen Trambahn mit einer Umsteigeplattform zur traditionellen Eisenbahn zurückbehalten. Dieses Projekt wird nun im Rahmen der von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen um zwei Jahre zurückgestellt. Über einen Termin der Realisierung des Anschlusses des Flughafens und des Kirchbergs mit Tramanschluss an das Bahnnetz schweigt sich die Regierung aus. Entscheidungen, denen wir nicht zustimmen können.

Wir fordern, dass neben den zurück behaltenen diese ebenfalls wichtigen Projekte im Sinne der Realisierung eines Gesamtkonzeptes des öffentlichen Transports auf der Schiene nicht auf die lange Bank geschoben werden. Wir hielten den Nachhaltigkeitsminister in einer in dieser Woche stattfindenden Unterredung an, verbindliche Termine für deren Bau zu nennen.

Entrüstet sind wir über die Absichten, den Personenverkehr auf der Strecke Noertzingen-Rümelingen einzustellen. Dies umso mehr, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der die Eisenbahn als das Transportmittel der Zukunft gepriesen wird.

Es kann nicht sein, dass man zuerst parallel zur Bahnstrecke eine Buslinie über die Autobahn nach Luxemburg einsetzt, das Angebot über die Schiene vernachlässigt und dann rechnerisch feststellt, dass der Schiene mit einer schwachen Besetzung der Züge die Puste ausgeht. Morgens die Pendler ab Rümelingen nach Luxemburg fahren und sie am späten Nachmittag auf der Rückfahrt in Noertzingen umsteigen lassen, ist wahrlich kein kundenfreundliches Angebot. Auch soll gesagt sein, dass schon vor Jahren der große Fehler gemacht wurde, die Strecke in Rümelingen-Stadt zu begrenzen. Die Stadt Rümelingen konnte wohl urbanistischen Nutzen aus dieser Entscheidung ziehen, doch wäre es heute sicher von Vorteil, wenn man in die Revalorisierung der Strecke bis nach Rümelingen-Ottange und darüber hinaus bis nach Frankreich investiert hätte. 

Wir sind nicht gegen den öffentlichen Transport auf der Straße, wissen aber wie sich die eingesetzten Busse in den Spitzenstunden auf der Achse Luxemburg-Rümelingen über die Autobahn quälen müssen. Den Benutzern soll schließlich eine qualitativ hochwertige Leistung angeboten werden. Die Schiene eignet sich perfekt dazu, selbstverständlich wenn das Angebot stimmt. So fordern wir, dass in einer ersten Etappe in den Spitzenstunden zusätzliche Direktzüge eingesetzt werden und dies vor allem in den späten Nachmittagsstunden Richtung Kayltal.

Die Gemeindeväter aus dem Kayltal und die AÖT sind bereit  sich zusammen mit uns für den Erhalt des Personenverkehrs auf der Schiene im Kayltal einzusetzen. Sie wollen nicht von der Haupttrasse von Luxemburg nach Petingen über Esch-Alzette abgenabelt werden. Mithin stellt sich auch die berechtigte Frage, ob es neben dem Erhalt des Personenverkehrs nach Luxemburg nicht auch ein qualitativer Sprung wäre ab Rümelingen via Schifflingen eine Verbindung ohne Umsteigen über die Schiene nach Esch-Alzette einzurichten. Die Schienen liegen. Ein Angebot auf die Beine zu bringen, das u.E. viel Zustimmung finden wird, dürfte wohl nicht schwer sein. Auch vom Material her nicht. Immerhin wird in der nächsten Zeit der Fuhrpark der CFL um weitere 10 Fahrzeuge des Typs TER2Nng ergänzt.

Wir werden uns mit Aktionen zu wehren wissen gegen eine Schließung der Zugstrecke Noertzingen-Rümelingen für den Personenverkehr. Die Mobilisierung hat mit der Konferenz des Sektors Eisenbahnen am vergangenen Samstag angefangen.

 

Guy GREIVELDING

 

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