Arbeitsintensive Dossiers
Permanent wird an den verschiedensten Dossiers gearbeitet, gefeilt, manchmal sogar gedoktort. Auch das ist gewerkschaftlicher Alltag. Bei der Bahn sind es momentan eine ganze Reihe solcher mehr oder minder brisante Dossiers, die unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Ich will hier allerdings „nur“ auf 3 eingehen, die von ihrer politischen Tragweite oder von ihrer Konsequenz her sehr aktuell sind.
Der „Contrat de service public“ zum Beispiel nimmt in seiner transportpolitischen Tragweite ganz bestimmt eine Sonderstellung ein. Es hat einiger Interventionen bedurft damit Abschnitte bezüglich einzusetzender schwer überschaubarer Kommissionen, der Frage nach möglichen Auslagerungen von Unterhaltsarbeiten und die dabei einzuhaltenden Prozeduren und nicht zuletzt die, nicht nur philosophische, Betrachtung des Streiks als höhere Gewalt, so überarbeitet wurden, dass sich auch die Gewerkschaftsvertreter mit diesem Dokument identifizieren konnten. Alles in allem eine gelungene Etappe auf dem Weg der Konsolidierung des öffentlichen Gemeinschaftstransportes in öffentlicher Hand. Und betrachtet die Laufzeit von 15 Jahren ein absolut positiver Schritt in die richtige Richtung.
Das Dossier Arbeitsmedizin bewegt sich auf einem etwas anderen Niveau ist aber von seiner Tragweite her nicht zu unterschätzen. Es ist seit längerem bekannt, dass der bislang einzige CFL Arbeitsmediziner demnächst in den verdienten Ruhestand treten wird. Und weil es bei der Bahn immer etwas länger dauert bis schlussendlich reagiert wird, hat man sich bis zum vorigen Monat Zeit gelassen um der etwas überraschten Personalseite ein fast fertiges Konzept vorzulegen, das eigentlich nur noch abgenickt werden sollte. Beim näheren Betrachten sollte sich allerdings schnell herausstellen, dass die Bahnchefetage; 1. Ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen konnte oder wollte. Tatsächlich ist ein Betrieb welcher ständig mehr als 3000 Leute beschäftigt, wovon mindestens 100 auf Risikoposten arbeiten, dazu verpflichtet sich einen eigenen und eigenständigen arbeitsmedizinischen Dienst zu leisten. Und zwar einen personell optimal ausgestatteten. Nach Analyse des Projekts das eine gemeinsame Struktur mit ARCELOR Mittal und CFL cargo vorsieht, keineswegs gegeben. 2. Gewisse Zweifel bleiben doch bezüglich des Willens der Generaldirektion einen gut funktionierenden, unabhängigen, nicht bevormundeten und mit allen notwendigen Mitteln ausgestatteten Arbeitsmediziner; besser noch 2; auch tatsächlich zu finden. Fazit: wir brauchen einen qualitativen Zugewinn für das Personal und auch für den Betrieb. Was wir nicht brauchen sind ökonomisch motivierte Synergien, die uns nicht wirklich weiterbringen.
Zeitgleich wurde der Personalseite ein neuartiges Konzept, genannt „Ateliers 2014“, vorstellt. Im Rahmen der Verwirklichung des CRM sollen nach dem Willen der Chefetage die aktuellen Strukturen überarbeitet, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und der Einsatz der Ressourcen optimiert werden. Die Mc Kinsey Berater haben in einem 22-seitigen Papier plastisch dargelegt wo, was zu tun ist. Durch die Mc Kinsey Brille betrachtet, selbstverständlich. Das nennt man dann „Lean Transformation“; in etwa Verschlankung und Transformation. Dass die Personalseite, in den Lenkungsausschuss mit eingebunden ist, und zwar von Anfang an, mag ein Zugeständnis an die Sozialpartnerschaft sein. Diese These werden wir als Landesverband aber nur maximal solange aufrecht halten, bis wir vom Gegenteil überzeugt sind. Eine moderne, und leider längst überfällige, Werkstatt wird es mit dem Landesverband zum Preis einer weiteren Filialisierung nicht geben.





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